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Warum? Warum nicht??!!!!

10 Warum in meinem Leben

Als meine liebe Kollegin, Freundin und Mitbloggerin Edith Morell mich kürzlich auf den Blog Bang von Markus Cerenak hinwies, war ich sofort Feuer und Flamme. Vor allem das Warum hat mich begeistert. Im Gegensatz zu vielen Mitmenschen finde ich Kinder in dem Alter, wo sie ständig nach dem Warum fragen, absolut großartig. Sie zwingen einen, Dinge zu erklären, die man nicht immer so leicht erklären kann. Deswegen widme diesem Artikel sogar eine eigene Kategorie und nenne sie einfach mal „Abseits“. Natürlich tue ich das, weil ich ein leidenschaftlicher Fußballfan bin. Außerdem passt „Abseits“ auch ganz gut zum Thema, denn normalerweise schreibe ich über mein Hobby, also meinen Beruf und weniger über persönliche Dinge.

Warum blogge ich?

Mein erster Berufswunsch war Journalistin. Diesen habe ich erst ziemlich spät mit 25 Jahren aufgegeben, aber das Schreiben habe ich nie aufgegeben. Letztes Jahr stand ich dann vor einer großen Veränderung. Ich wollte endlich eine Website, aber nicht die klassische Beraterseite (Nr. 45.000 im Internet). Ich bin auch nicht die typische Beraterin. Ich wollte mich austoben, hatte Lust auf Veränderung, wollte etwas Neues wagen. Während ich meine Webseitentexte verfasste, hatte ich ständig das Gefühl, dass das alles nicht passte. Bis mir klar wurde, dass ich im Laufe der Jahre so viele Themen angesammelt hatte, die geradezu danach schrien, dass ich mal ein wenig eintauche, dass ich das Bloggen anfing. Ich liebe es, zu schreiben. Dafür fahre ich gerne an den Wannsee, packe mein Laptop oder einen Block ein, je nach Lust und Laune und dann geht es los. Schreiben macht mir Freude, hilft mir, meine Gedanken zu sortieren, mich auszuleben. Ich schreibe grundsätzlich nur über die Themen, zu denen ich etwas zu sagen habe und über die ich auch gerne schreibe. Mit dem Bloggen erfülle ich mir einen Kindheitstraum und mache mich glücklich und zufrieden.

Warum habe ich manche Entscheidungen im Leben getroffen? Und warum ist es mir völlig schnuppe, was andere davon halten?

Ich habe mich der Achtsamkeit mit mir selbst verschrieben. Wenn ich eine Entscheidung treffe, dann muss sie natürlich der nüchternen Betrachtung (ZDF – Zahlen, Daten, Fakten) standhalten. Aber sie muss auch mir, meiner Persönlichkeit, meinen Werten entsprechen. So hatte ich einmal ein lukratives Jobangebot. Führungsposition, jede Menge Geld, Karriereoptionen im Überfluss. Und ich habe zugesagt. Alle fanden das ganz toll. Nur ich nicht. Mit jedem Tag, der mich dem ersten Arbeitstag näher brachte, ging es mir schlechter. Ich konnte nicht mehr schlafen, fühlte mich unwohl und alle noch so gut gemeinten Sätze von Freunden und Familie („Andere würden sich den Arm dafür abhacken, so eine Chance zu bekommen.“ „Wenn du den Job fünf Jahre durchziehst, dann bist du gemacht.“….) halfen nicht. Ich wollte nicht. Dann kam der Tag, an dem ich aufstand und solche Rückenschmerzen hatte, dass ich mich kaum noch bewegen konnte. Und das war der Tag, an dem mir klar wurde, dass ich diesen Job niemals antreten würde und das war ok. Ich habe abgesagt und eine Woche später hatte ich den Job, der mir rundum Spaß gemacht hatte. Das Gehalt war viel niedriger und ich habe mit einem Lachen im Gesicht darauf verzichtet. Ich kann nur jedem gratulieren, der für Geld innere Schmerzen aushält – ich gehöre nicht dazu. Mein Körper ist mein Frühwarnsystem. Bleib bei Dir, tue nichts, was du nicht aus tiefsten Herzen bejahst. Geh dorthin, wo Deine Freude ist. Erfolg ist das, was folgt. Der Liebe, der Leidenschaft, dem Engagement. Unnötig zu sagen, dass sich alle riesig über meine Entscheidung gefreut haben. Aber das ist mir egal. Ich akzeptiere die Entscheidungen meiner Mitmenschen, sie sind ja erwachsen. Meine Entscheidungen muss nur ich verstehen und ich muss damit leben. Wenn ich entschieden habe, dann werde ich niemals klagen: „Hätte ich doch nur….“. Das schenkt meinem Herzen keinen Frieden, weil es die ultimative Verleugnung von Verantwortung ist.

Warum ich mit Geschichten aus dem Opferland nichts anfangen kann

Dazu habe ich nur einen Satz: “Wer die Schuld hat, hat die Macht.“ Alles klar?

Warum ich gerne in Pfützen springe

Ich kann keiner Pfütze widerstehen. Ich liebe Pfützenspringen. Da werde ich zu einem glücklichen Kind und genieße den Moment. Am liebsten barfuß in eine matschige Pfütze. Da spüre ich nur noch Freude. Ist mir doch egal, ob mich Leute schräg anschauen, wenn ich quiekend wie ein kleines Kind in die Pfütze springe. Diesen Moment der Freude kann man mit keinem Geld der Welt kaufen.

Warum ich mein Trike liebe

Ich liebe Trikefahren und ich liebe mein Trike. Ich sitze in meinem mobilen Liegestuhl, der mich in kürzester Zeit von Charlottenburg zum Wannsee trägt. Unterwegs habe ich ein idiotisches Grinsen im Gesicht. Ich vermute, dass es schon Leute gibt, die sagen: „Schau mal, da ist wieder die grinsende Frau auf dem Trike.“ Ist mir egal. Trike fahren macht glücklich. Ich kann Höchstgeschwindigkeiten fahren und dabei in den Himmel sehen, wunderbare Luft einatmen, das Symphonieorchester Gottes hören und alles loslassen. In diesen Momenten bin ich der reichste Mensch der Welt.
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Warum ich tue, was ich tue

Mein wichtigster Job ist es, komplexe Projekte zu retten. Ich arbeite da, wo es wehtut. Dafür braucht man starke Nerven, eine gesunde Portion Irrsinn und jede Menge Humor. Ich liebe es, wenn ich scheinbar ausweglose Situationen wenden kann. Am meisten liebe ich die Arbeit mit den Menschen, die mir in Krisensituationen alles abverlangen. Ich habe es mir zum Ziel gesetzt, möglichst alle gesund und heil durchzubringen. Ich mag Menschen. Ich mag es nicht, wenn sie an ihrer Arbeit zusammenbrechen, denn das deckt sich nicht mit meiner Vorstellung von einem gesunden Arbeitsumfeld. Ich liebe es, die Lösungen zu suchen, den oder die Hebel, die das Blatt wenden. Ich könnte niemals einen Job machen, in dem es darum geht, Menschen ihre Existenzgrundlage zu nehmen. Ich bin sehr stolz darauf, dass jedes Projekt, das ich „gerettet“ habe, auch die Nebenwirkung hatte, dass die jeweiligen Unternehmen besser wurden. Symptombekämpfung ist nicht mein Ding. Ich gehe an die Wurzeln, denn ich möchte, dass Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind, eine Perspektive haben. Dafür laufe ich gerne die Extrameile, lege eine Schippe drauf. Wenn ich einen Turnaround-Job mache, dann möchte ich, dass „der Laden wieder läuft“. Wie schon erwähnt: Ohne eine gesunde Portion Irrsinn kann man den Job nicht machen.
Die anderen Dinge, die ich so tue, tue ich nicht mit weniger Leidenschaft, Liebe oder Begeisterung. Aber Krisensituationen verlangen einfach mehr Einsatz. Nine to five hat mich eh nie interessiert, weil ich grundsätzlich nichts für Geld tue, was ich nicht wirklich will, also ist es mir auch egal, wann ich Feierabend habe. Dafür kann ich auch einfach morgens aufstehen und ganz selten einfach entscheiden, dass mein Tag meiner Kreativität, meinem Haushalt oder meiner Familie und Freunden gehört.

Warum ich Pferde und Hunde liebe – vor allem Madagaskar

Meine Freunde behaupten, dass ich ein Hundeflüsterer bin. Vielleicht bin ich das, aber das spielt keine Rolle. Ich bin mit Hunden aufgewachsen. Nichts und niemand lehrt ein Kind so liebevoll soziale Kompetenz wie ein Hund. Hunde sind tolle Kumpels und man kann ihnen nichts vormachen. Sie fühlen, wie es einem geht. Ich habe in meinem Leben schon so viele kranke Hunde gepflegt und kleine Welpen auf die Welt geholt, dass die Tierchen das wahrscheinlich spüren. Ich habe lange Zeit für die Tierrettung ehrenamtlich Hunde resozialisiert. Alles, was ich an Geduld und Einfühlung gelernt habe, verdanke ich praktisch diesen Hunden. Man kann nichts erzwingen. Meine Arbeit ist vor allem in den Krisenprojekten oft genug therapeutisch. Da kann ich alles anwenden, was ich von den Tieren gelernt habe.
Pferde schauen Dir auf Dein Herz. Du musst ihnen Zeit lassen, denn sie sind Fluchttiere. Wenn es Dir mit ihnen ernst ist, dann musst Du lernen, Deine innere Unruhe loszulassen. Du musst Frieden im Herzen tragen, sonst machst Du sie unruhig. Hunde und Pferde, ach was, alle Tiere, mit denen wir so leben, helfen uns, bessere Menschen zu sein.
Madagaskar heißt eigentlich Lea und ist eine absolut hinreißende Hundedame. Aber sie hat so schöne goldene Augen und schaut wie der kleine süße Lemur aus Madagaskar. Also heißt sie nur noch Madagaskar, äh Miss Madagaskar, ist ja eine kleine Dame.

Warum ich gerne in der Schwerindustrie arbeite

Ich war bestimmt im letzen Leben ein Mann und Ingenieur. Ich könnte Tage in Produktionshallen verbringen. Wahrscheinlich habe ich Monate, wenn nicht sogar Jahre in Produktionshallen verbracht. Ich kann mich nicht sattsehen an Maschinen. Ich bin begeistert über die deutsche Ingenieurskunst. Mich begeistern Gießereien. Das ist für mich Alchemie (an dieser Stelle geht ein Gruß an den Herrn der Öfen). Die Präzision, der Singsang der Maschinen, die Atmosphäre, der Geruch. Ich erwähnte schon, dass ich nicht der typische Berater bin. Wenn meine Kunden produzieren (was sie Gott sei Dank fast alle tun), dann will ich sehen, was sie machen und wie sie es machen. Ich optimiere nicht auf dem Papier. Ich will sehen, verstehen, was wichtig ist, die Menschen fragen dürfen, die am Ende das Produkt herstellen. Deswegen bin ich gut in meinem Job.
Viele sagen, dass in der Schwerindustrie ein rauer Ton herrscht. Ich sage dazu: „Hart aber herzlich.“ Ich habe im Laufe meines Berufslebens gelernt, dass das, was Menschen tun, sie prägt. Wer noch nie gefährliche Arbeitsplätze aus der Nähe gesehen hat und die schrecklichen Unfälle, die geschehen können, der nennt die Menschen nicht hart. Diese Strenge und Disziplin ist vor allem in den frühen Zeiten der Industrialisierung notwendig gewesen, um Schäden von Mensch und Material abzuwenden. Die Menschen in der Schwerindustrie sind nicht weniger Menschen als andere. Sie haben nur einen anderen Code. Ihnen fehlt die Oberflächlichkeit, die in anderen Branchen Einzug gehalten hat. Ich mag das.

Warum ich die Wüste liebe

Wer sich selbst erforschen möchte, der kann in der Wüste in der vermeintlichen Stille üben, nach innen zu hören. Erst wenn alle Geräusche verschwunden sind, wenn die Sonne, der Sand und der Sternenhimmel von einem Besitz ergriffen haben, dann ist man auf sich selbst zurückgeworfen. Der Sonnenuntergang in der Wüste ist eigentlich nichts anderes als die Hand Gottes, die das Licht plötzlich ausschaltet. Und wer den akustischen Zivilisationsmüll aus den Ohren entfernt hat, der darf feststellen, dass die Wüste gar nicht still ist. Die Wüste ist voller Leben. Andauernd bewegt sich etwas, alles verändert sich stetig. Letztes Jahr habe ich in Marrakesch zwei junge Tuareg kennengelernt. Der schönste Satz dieser zwei magischen Menschen lautete: Ihr habt die Uhr, wir haben Zeit. Bislama.
Und zu guter Letzt:

Warum ich Ent-Täuschungen gut finde

Die Schreibweise hat es eigentlich schon erklärt. Wo eine Enttäuschung ist, da ist auch eine Täuschung. Immer wenn ich enttäuscht bin, dann suche ich, nachdem ich meine Zuckungen überwunden habe nach der Täuschung. Meistens hab ich mich selbst getäuscht. Wenn mich ein anderer getäuscht hat, dann muss ich mich trotzdem frage, warum. Und wer jetzt noch mehr wissen will, der geht zum Thema Opferland.
Zum Abschluss drei Sätze, die mir gefallen, weil sie mich erden.
„Freiheit ist nicht das zu tun, was man will, sondern das, was man tut, zu wollen.“
„Man kann sich das Leben schwerlich zu leicht machen, aber leicht zu schwer.“
„Talent bedeutet, etwas tun zu wollen.“
In diesem Sinne: Bleibt Euch treu, verbiegt Euch nicht, achtet Eure Beziehungen, segnet jeden Tag und jede Begegnung, tragt Frieden in Eurem Herzen, lacht wie die Kinder aus vollem Herzen. Schweigt, wenn Ihr nichts zu sagen habt. Feiert vor allem die schlechten Zeiten, denn sie zeigen Euch, wer wirklich Euere Freunde sind. Verabschiedet Euch niemals im Groll von einem Menschen, der Euch am Herzen liegt. Genießt den Sommerregen als wäre er edelster Champagner. Lernt über Euch selbst zu lachen. Lernt die Schwächen Eurer Mitmenschen so zu lieben, als wären es die Schwächen Eurer Kinder. Vergebt Euch, wenn Ihr das nicht könnt. Nehmt Euch nicht so ernst. Lacht mindestens fünf Minuten am Tag aus vollem Herzen.
Zum Blog Bang geht es hier.
Wer Glücklichsein üben möchte oder eine kleine Inspiration im Alltag sucht, der kann sich an Ediths schönen Beiträgen hier erfreuen.
Bildnachweise: Ghania Ibelaidene, „Somewhere over the rainbow“ „Supermodels“

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