Sigmar Gabriel, BMWi, Frauen Unternehmen, Kalkscheune, Erfolg, Unternehmerin

Haupstadtgeflüster: Auftaktveranstaltung „Frauen unternehmen“ des BMWi

Oder: rebellische Frauen zu Gast bei Sigi.

Gestern fand in der renommierten Berliner Event Location Kalkscheune die Auftaktveranstaltung zur Initiative „FRAUEN unternehmen“ statt. Gastgeber war der Minister höchstselbst.
In dem schönen Ambiente in Berlins Mitte trafen sich über hundert Vorbild-Unternehmerinnen und Gäste.
Gestärkt durch Kaffee entspannten sich bereits vor Beginn des offiziellen Teils lebhafte Gespräche. Die liebevoll gestalteten Tischdekos (s. Beitragsbild) luden uns natürlich dazu ein, ins Gespräch zu kommen und gleich zu Beginn „die Regeln zu brechen“. Keine von uns wäre erfolgreich, wenn sie sich angepasst hätte und so hat das Arrangement seinen Zweck erfüllt.

Die stolzen Gewinnerinnen

Nach der Anmoderation gab es eine kurze Podiumsdiskussion, in der der Minister mit jungenhaftem Charme, Humor und dem Verweis auf seine ebenfalls selbstständige Gattin punktete.
Im Mittelpunkt standen aber die vier Unternehmerinnen, die unter vielen anderen ausgezeichnet wurden und diesen Damen möchte ich natürlich an dieser Stelle herzlich gratulieren:
Jasmin Arbabian-Vogel, Interkultureller Sozialdienst GmbH, Hannover
Claudia Gläser, Gläser GmbH, Horb
Christiane Rasper, Rasper & Busch Unternehmensberatung GbR, Bielefeld
Brigitte Seefeld, Seefeld Hörsysteme, Bad Rothenfelde
Aber natürlich darf man an dieser Stelle jeder Dame gratulieren, die sich als Vorbild-Unternehmerin verdient gemacht hat und den vielen Unternehmerinnen, die sich nicht beworben haben, aber jeden Tag im Wirtschaftsleben ihre Frau stehen.

Das Pressefoto

Die Charme-Offensive des Herrn Gabriel war ein voller Erfolg! Allerdings hat Erfolg auch seine Tücken. Irgendwie wollten sich die Damen nicht so ohne Weiteres brav aufstellen, um die Gruppenfotos zu machen, sodass der Herr Gabriel sich plötzlich von lauter Damen umringt sah, die den Selfie mit dem Minister schießen wollten. Den Blutdruck des Personenschützers musste man nicht messen – und mal ehrlich: Der arme Kerl hätte seinen Schützling sicherlich aus jeder Situation retten können – aber gegen diese geballte Power von Damen hätte er – bei allem Respekt – keine Chance gehabt.
Aber leider, ohne dass es jemand zu dem Zeitpunkt ahnen konnte, entstand hier bereits ein kleiner Funke Ent-Täuschung (die Auflösung der Schreibweise gibt es hier), denn hier entstand der Funke einer Rebellion.

Die Keynote

Die Keynote Speakerin, Frau Dr. Margarita Tchouvakhina, Abteilungsdirektorin in der Konzernentwicklung der KfW Bankengruppe und Mitglied der Jury hielt den Vortrag Unternehmerin MACHT Mut. Und ich glaube, dass ich für viele der Teilnehmerinnen spreche, wenn ich sage, dass sie diesen Vortrag mit Herz und mit Seele verfasst und gehalten hat, wie es wohl nur eine Frau oder nur eine Frau mit einer russischen Seele kann. Ich hoffe, dass es eine Aufzeichnung gibt und noch viele Frauen diese bewegenden Worte hören dürfen. Das war wirklich groß und überhaupt kein Kino, sondern lebendig, authentisch und tief bewegend.

Die Workshops

Nach einem vorzüglichen Mittagsbüffet, bei dem die anregenden Gespräche des Vormittags fortgeführt oder neu begonnen wurden, ging es in Workshops.
Die Themen waren mit Augenmaß gewählt, denn jedes der Themen war und ist wichtig und so entspann sich in den Arbeitskreisen eine muntere Diskussion.
Besonders bewegt war der Workshop zum Thema Die Sichtbarkeit von Unternehmerinnen in der Region erhöhen – Best Practice-Beispiele aus der Praxis, in dem viele schöne Ideen und existierende Initiativen zur Erhöhung der Sichtbarkeit von Unternehmerinnen in der Region ausgetauscht wurden.
Nur leider oder auch Gott sei Dank, kam hier der kleine Funke Rebellion zum Ausbruch. Denn die Teilnehmerinnen stellten durchaus berechtigte Fragen:

  • Wie soll es weitergehen?
  • Welchen Kommunikationsplan gibt es nach der Auftaktveranstaltung?
  • Welche Unterstützung erfahren die Unternehmerinnen seitens des BMWi, wenn sie sich regional engagieren?
  • Wie werden die Ergebnisse verwertet?
  • Was sollen, können, dürfen wir tun?
  • Welche Budgets werden zur Verfügung gestellt?

Hier trafen zwei Welten aufeinander: pragmatische, gut organisierte und ergebnisorientierte Vollblut-Unternehmerinnen und ein ergebnisoffener Ansatz des BMWi. Außerdem kam hier die Ent-Täuschung endlich auf den Tisch. Da reisen Damen, die sich nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Gesellschaft, Politik und in Verbänden engagieren, auf eigene Kosten an und die wichtigste Unterstützung, nämlich Öffentlichkeit, PR und Sichtbarkeit wurde nicht in dem Maße gewährt, in dem es erwartet wurde. Stein des Anstoßes war das Thema Pressefoto. Hier hätte man ohne Mehraufwand in der Organisation mehr auf die Bedürfnisse der Unternehmerinnen eingehen können und ihnen so die verdiente und benötigte Öffentlichkeit verschaffen können. Leider verließ die Presse mit dem Minister die Veranstaltung, sodass genau das nicht mehr möglich war. Wärst Du nur geblieben, Sigi!
Die Moderatorinnen bemühten sich nach Kräften, die Enttäuschung in konstruktive Ansätze umzuwandeln.
Aber wie das so ist: den Erfolg als Unternehmerinnen haben die Damen, weil sie beharrlich sind, Biss haben, am Ball bleiben. In diesem Moment entstand ein gefühltes Ungleichgewicht zwischen Geben und Nehmen.
In der Sprache der gewaltfreien Kommunikation: Es entluden sich nicht erfüllte Bedürfnisse. Solche Situationen sind für jeden Moderator eine große Herausforderung und ich ziehe den Hut vor den Damen, die da die geballte Hitze und Leidenschaft der Power-Weiber gefühlt haben.
Dennoch bleibt festzuhalten: Die unterschiedlichen Erwartungshaltungen kollidierten, was überhaupt nicht schlimm ist. Aber aus Bitten werden so natürlich Forderungen. Und wenn im rechten Moment keiner da ist, der einfach die Hand hebt und die Verantwortung für die Ergebnisse übernimmt, dann trifft das natürlich den Nerv.

Die Abschlussrunde

Mein Lieblingssatz von Marshall Rosenberg lautet: „Sage niemals „aber“ zu jemandem, der aufgebracht, wütend oder verärgert ist.“ Genau das geschah und es konnte nicht wirklich gut gehen, denn wir haben uns natürlich von unserem Anliegen entfernt und die armen Damen auf dem Podium ganz schön unter Druck gesetzt. Die Moderatorin, die bisher mit Charme und Leichtigkeit gepunktet hatte, hatte leider auch keine Chance, sodass ihr Aber den entsprechenden Gegenwind erhielt.
Wie bereits erwähnt: Wir sprechen hier von über hundert starken Führungspersönlichkeiten in einem Raum, die durchaus kluge Fragen stellen. Wir sprechen aber auch von temperamentvollen, starken, eigenwilligen und mutigen Frauen – und liebes BMWi, den konntet Ihr beim besten Willen nicht mit Standardantworten begegnen. Das Bedauerliche ist sicherlich, dass der gute Wille und die Bemühungen der Damen auf dem Podium gar nicht mehr die Wertschätzung erfahren konnten, die diese verdient hätten.
Das möchte ich an dieser Stelle mit einem Dankeschön nachholen, denn die Bemühungen wurden in der hitzigen Diskussion nicht ausreichend gewürdigt.
Das möchte ich stellvertretend für diejenigen, die wie ich einen großartigen Tag hatten, nachholen:
Danke für die Organisation eines Powertages, für den Sie kreativ, fleißig und liebevoll gewirkt haben. Sie haben uns neben tollen und leidenschaftlich geführten Diskussionen auch einen Rahmen geliefert, einen geschützten Raum, in dem wir uns begegnen und gegenseitig stärken, inspirieren und kennenlernen konnten. Nehmen Sie aber auch zur Kenntnis, dass uns ein Dankeschön nicht reicht! Wir wollen nicht nur dann auf das Titelblatt, wenn es den anderen gefällt.

Mein Fazit:

Wir werden sowieso für weibliches Unternehmertum werben, wir können nicht anders. Aber es juckt mich in den Fingern, einen Vorschlag zu machen:

Lassen Sie uns feiern, dass wir gestern den Beweis geliefert haben, dass weibliches Unternehmertum einhergeht mit Streitbarkeit, Konfliktbereitschaft, Kampfesmut und viel Energie.

In diesem Sinne: Herr Minister Gabriel, Sie sind am Zug!!!
Unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter dabei, den gestern begonnen Weg erfolgreich fortzusetzen. Wir sind bereit – und wir marschieren sowieso vorwärts. Sie sind herzlich eingeladen mitzumachen. Laden Sie uns ein – und zwar an den Tisch, wo die Entscheidungen getroffen werden. Wir können das sowieso. Ehrenwort.

Share on LinkedInTweet about this on TwitterGoogle+Share on FacebookPrint this pageEmail to someone