Begleitung von Veränderungsprozessen – Change Management

Der Begriff Change Management ist schwammig und sorgt für viel Verwirrung. Eine Differenzierung hilft, den Begriff im passenden Kontext einzuordnen.

Vorab zur Begrüßung – ich mag keine Anglizismen. Ich finde sie verwirrend, sie sind häufig schwammig und vor allem: Wir sind in Deutschland, daher sehe ich es nicht ein, dass wir über wichtige Dinge im Neusprech kommunizieren.
Vor allem stelle ich fest, dass die häufige Verwendung von englischen Begriffen nicht unbedingt dazu beiträgt, dass man verstanden wird oder in einer größeren Runde über dasselbe Thema spricht. Trotz dieser Einleitung ertappe ich mich leider oft genug dabei, dass ich meine eiserne Regel der Vermeidung von Anglizismen breche.
Daher erlaube ich mir, das Etikett „Change Management“ nur für die einfache Auffindbarkeit in Suchmaschinen zu verwenden und verwende in den Texten lieber Begriffe wie „Begleitung von Änderungsprozessen“, Steuerung von Veränderungen oder Transformation.

Wieso ist Veränderung so schwer? In meiner Beratungspraxis (tatsächlich ist meine Arbeit häufig viel therapeutischer, als ich je erwartet habe) erlebe ich häufig, wie gute Ideen, großartige Strategien, geniale Visionen nur unter größten Mühen umgesetzt werden. Wieso ist das so? Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass viele Ideen schon Realität wären, wenn ihre Autoren die universellen menschlichen Gesetze beherzigen würden. Ja, Sie lesen richtig: Es gibt universelle menschliche Gesetze oder besser gesagt: Es gibt universelle Regeln, die im Zwischenmenschlichen gelten. Beachtet man sie, dann werden die Dinge nicht unbedingt einfach, aber sie werden leichter.

Ich möchte an dieser Stelle mal den Erbsenzähler geben und den Begriff „Change Management“ differenzieren.

Change Management als Begriff im Projektmanagement:

  1. Ist ein wesentlicher Bestandteil der Kontroll- und Qualitätssicherungsmechanismen, die Budget- und Zeitüberschreitungen im Projekt – also ein unkontrolliertes Wuchern verhindern.
  2. Bezeichnet einen Projektsteuerungsprozess, der die Dokumentation, Antragstellung und Verfolgung von (inhaltlichen) Änderungen oder Abweichungen in einem Projekt umfasst, die den Umfang beeinflussen – und damit die Dauer und die Kosten eines Projektes. Diese Abweichungen können je nach den individuellen Projektrichtlinien genehmigungspflichtig sein oder nicht.

Projektbeispiel IT: Wir möchten statt der bestellten einfachen Funktion eine Automatisierung. Diese erfordert statt der budgetierten drei Tage einen Aufwand von acht Manntagen. Diese Änderung ist genehmigungspflichtig, also muss dem Lenkungsausschuss ein Änderungsantrag (= Change Request) vorgelegt werden. Dieser muss darüber befinden, ob die zusätzlich erforderlichen fünf Manntage (also die Abweichung vom Budget) genehmigt werden.

Über dieses Thema können Sie sich in der Rubrik „Turnaround PM“ ausgiebig informieren.

Change Management bezeichnet auch:

  • Das aktive Steuern von jeglichen Veränderungen in Unternehmen – unabhängig von Projekten. (Vom IST zum SOLL)
  • Die flankierenden Kommunikationsmaßnahmen zu einem Projekt.
  • Einen Kommunikations-, oder Schulungsprozess – also Überzeugungsarbeit.
  • Führungskommunikation und Führungsverhalten.

Beispiel: Aufgrund strategischer oder wirtschaftlicher Erwägungen entscheiden zwei Mittelständler, dass sie fusionieren wollen. Um Produktivitätseinbrüche zu verhindern, wird ein Gremium aus beiden Unternehmen (unterschiedliche Abteilungen, Hierarchieebenen, Funktionen, externen Experten) zusammengestellt. Dieses entwickelt einen Kommunikations- und Aktionsplan, der den Mitarbeitern beider Unternehmen die Neuorientierung erleichtern soll und diese begleitet.

Die erste Definition ist technisch, die zweite betrifft die menschliche Psyche, Kommunikation, Verhalten und Haltung.

Sie sehen, dass der Begriff Change Management wie Kaugummi ist. Klingt aber toll und enthält das magische Wort „Management“.

Sie merken, ich bin ein wenig fuchsig über die wilde Mischung, die im Geschäftsleben stattfindet. Und das aus gutem Grund.

Im wirklichen Leben werden beide Definitionen und Anforderungen nicht berücksichtigt. Und das kostet nicht nur die Unternehmen täglich viel Geld. Es kostet auch das Solidarsystem (also Kranken- und Rentenkassen) Unsummen.

Sie kennen die Phänomene als Privat- oder Geschäftskunden von Unternehmen, die ihre Projekte oder ihre Veränderungsprozesse nicht im Griff haben. Diese Unternehmen sind monatelang nur mit sich selbst beschäftigt. Es knirscht im Getriebe. Die Mitarbeiter sind frustriert, demotiviert oder wandern ab. Als Kunde wechseln Sie den Anbieter, wenn Sie es vermögen. Als betroffener Unternehmer kämpfen Sie oft jahrelang mit den Folgen missglückter Projekte oder Veränderungen. Sie laufen Ihren Kunden oder Ihren Märkten hinterher.

Im nächsten Artikel geht es darum, was man von Nelson Mandela mit Blick auf Transformation lernen kann.

Bildnachweis: photocase.de\ Gräfin. „Wohin denn nun?“

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