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Was wir von Nelson Mandela mit Blick auf Veränderungsprozesse lernen können.

Teil 2: Drei einfache Regeln für das Einleiten von Veränderungsprozessen.

Nelson Mandela hat wie kaum ein anderer Zeitgenosse verstanden, wie Veränderung funktioniert. Und dies wohlgemerkt zu Zeiten, wo es keine Experten wie Dr. John Kotter gab. Ich gehe davon aus, dass er seine Wahrheit, seine Botschaft verkündet hat, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen und sich sicherlich keine Gedanken darüber gemacht hat, wie er diese Veränderungen bewerkstelligen will. Vielleicht hätte er aufgegeben, wenn er sich über „Change Management“ Gedanken gemacht hätte. Und trotzdem: manch einer könnte das Lehrbuch einfach beiseite legen und sich einfach am Wirken von Nelson Mandela orientieren.

Regel 1: Transformation erfordern einen langen Atem und viele Botschafter.
Ein afrikanisches Sprichwort sagt:

Wenn Du schnell vorankommen möchtest, gehe alleine. Wenn Du weit kommen willst, gehe mit Vielen.

Noch nie hat ein einzelner Mensch die Welt verändert. Das reden wir uns nur ein, damit wir nicht tätig werden müssen. Es sind immer andere Menschen, Mitspieler, beteiligt. Nelson Mandela hat viele Menschen für seine Sache begeistert. Der Grund ist natürlich simpel: Die Schmerzen der nicht weißen Bevölkerung waren groß genug und die Aussicht auf eine Belohnung war es auch. Oder würden Sie die Aussicht auf Sicherheit, Freiheit, Menschenrechte, ein Leben in Würde als geringe Belohnung ansehen? Oder die Aussicht darauf, dass Sie vielleicht Ihre Kinder oder wenigstens Ihre Enkel in Würde leben sehen?
Der Tipp lautet:
Finden Sie Mitspieler und Änderungsbotschafter im ganzen Unternehmen. Unterscheiden Sie nicht zwischen Führungskräften und „einfachen“ Mitarbeitern. Wer sich einbringen möchte, wird Ihnen helfen, Ihre Botschaft unter die Leute zu bringen. Je mehr Menschen sich einbringen, umso schneller erreichen Sie die kritische Masse, die sie benötigen, um die von Ihnen gewünschte Veränderung herbeizuführen. Revolutionen geschehen selten, nein eigentlich nie, von oben. Dies ist übrigens einer der Gründe, wieso die sogenannte „Deutsche Revolution“ von 1848 von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Es war eine Revolution der Intellektuellen und der bürgerlichen Mittelschicht, die die breite Masse niemals erreicht hat.

Regel 2: Je größer die Veränderung ist, um so länger muss man beharrlich bleiben.
Mandela oder Tata (isiXhosa für Vater), wie er liebevoll genannt wurde, saß ganze 27 Jahre im Gefängnis und wirkte über 40 Jahre für ein Ende der Apartheid, soziale Gerechtigkeit und eine menschlichere Gesellschaft. Er wollte ein großes Ziel erreichen und er wusste, dass eine so radikale Transformation viel Zeit brauchen würde. Lassen Sie sich also für größere Veränderungen Zeit. Operative Hektik hat in größeren Veränderungen nichts verloren.

Regel 3: Wer seine Menschen begeistern und mitreißen möchte, sollte einfache und bewegende Botschaften finden
Probieren Sie es aus: Versuchen Sie eine Menge von 100, 1000, 10.000 oder 100.000 Menschen mit einer Botschaft in Bewegung zu setzen, die länger als, sagen wir, drei Sätze ist und an die Vernunft der Menschen appelliert. Diejenigen von Ihnen, die einmal auf einer Demo waren, können das sofort nachvollziehen. Da wird am liebsten zu einem einfachen Rhythmus eine einzelne Botschaft gerufen. Wenn sich die Worte reimen und man im Takt klatschen kann, dann verwandelt sich eine Masse von Individuen ganz schnell in ein Rudel. Woran liegt das? Ist die Masse dumm? Nein, dumm ist sie nicht, aber es kommt einfach schneller Verbundenheit auf, wenn man einen einfachen gemeinsamen Code hat. (Vielleicht interessiert Sie das Thema und Sie lesen einmal „Masse und Macht“ von Elias Canetti, der von diesem Phänomen fasziniert war.)
Kein Mensch möchte stundenlange Monologe über Notwendigkeiten hören. Bleiben Sie bei den einfachen aber wirksamen Botschaften: Welche Schätze wollen Sie erobern oder erbeuten? Welchen Feind wollen Sie abwehren? Welche Bedürfnisse erfüllen Ihre Veränderungen? Geht es um Sicherheit? Um Erfolg? Geht es um die Existenz Ihres Unternehmens?
Finden Sie einfache und kraftvolle Worte. Seien Sie Mensch und seien Sie menschlich. Streichen Sie alle Allgemeinplätze und alle unpersönlichen Formulierungen. Bleiben Sie bei der Substanz der Veränderung. Wählen Sie eher handlungs- und gefühlsorientierte Formulierungen als trockene Analysen.
Und vor allem: trauen Sie sich. Sie können nur gewinnen. Alleine spielen macht eben keinen Spaß. Und Spaß sollte im Veränderungspaket inbegriffen sein.

Im nächsten Teil gibt es noch drei Regeln und ein Praxisbeispiel.
Und bis ich den veröffentliche, fällt mir bestimmt noch ein schöner Titel ein. Versprochen.
Bildnachweis: photocase.com/Äshäk

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